Titelbild

Beim Stöbern im Internet stieß ich auf Fahrrad- und Bootstouren des Reisebüros Panek-Touristik. Eine Kajaktour auf der Krutynia gefiel uns, meiner Frau und mir, besonders, denn wir sind alte Wanderfahrer und hatten schon viel von der Schönheit dieses Wasserlaufes gehört. In der Ausschreibung war diese Tour als eine geführte ausgezeichnet und die einzelnen Etappen angegeben. Wir entschlossen uns kurzfristig und reisten mit dem Auto in Ketrzyn (Rastenburg) an. Dort im Hotel Koch erfuhren wir zu unserer Überraschung, dass wir die einzigen Teilnehmer für diese Fahrt waren und diese Fahrt als individuelle Fahrt mit vollständigem Service, wie in der Ausschreibung angekündigt, durchführen sollten. Die Unterbringung und der Transport zu den Startpunkten und der Rücktransport am Nachmittag waren also garantiert. Meine Bedenken zur Ausrüstung wurden zerstreut. Unser Auto parkte in der Garage des Hotels für einen Betrag von 25 Euro für eine Woche und mit großen Erwartungen starteten wir am nächsten Morgen zu dem ersten Einsatzpunkt bei Sorkwity. Wir hatten bis dahin weder das Boot gesehen noch den Bootsverleiher gesprochen. Beides trafen wir in Sorkwity und fuhren gemeinsam zum Startpunkt. Zu unserer großen Erleichterung sprach auch der Bootsverleiher deutsch und wir konnten uns gut verständigen.Der Kajak, ein schon etwas in die Jahre gekommenes schweres aber solides Plaste-Boot. Gut gelöst fanden wir den Sitz im Boot mit den zweiteiligen Sitzkissen, schlecht, dass man die Sitzluke nicht schließen konnte und das im Boot keine Auftriebskörper enthalten sind. Ein Spritzdeck ist nicht vorgesehen und lässt sich auch nicht befestigen.(Blick ins gepackte Boot)

EinfahrtszeichenWild romantisch begann unsere Bootstour an einem verfallenen Bootsteg am Gieladzkie-See.(Startpunkt) Es war gegen 10 Uhr, als wir in See stachen, nicht ohne uns vorher genau über Zielpunkt und Ankunftszeit abzusprechen. Als Orientierungshilfe hatten wir eine Karte erhalten mit eingezeichneter Route und eine Routenbeschreibung mit Hinweisen zu Sehenswürdigkeiten.Bootswanderweg-Markierung Der Kajak fuhr sich etwa so, wie ein RZ85 bei Gepäckfahrt, obwohl wir nur Wechselsachen, Regenbekleidung und Verpflegung geladen hatten. Weil das Wetter etwas unbeständig war, hatte man uns vom Hotel etwas Folie mitgegeben, die sich dann wegen des fehlenden Spritzdecks als sehr nützlich erwies. Der Himmel war grau verhangen und der Wind frischte auf, als wir im Schilf den Verbindungsgraben zum Lampackie-See suchten. Die Einfahrt war wie auch an den folgenden Verbindungen zwischen den Seen mit einem Schild gekennzeichnet, dieses ist aber nicht weit sichtbar. Der Graben war flach aber ohne treideln passierbar. Auf dem Lampackie-See blies uns ein kräftiger Wind in den Rücken und die Wellenhöhe nahm stetig zu. Wir waren allein auf weiter Fläche, erst als wir uns der Einfahrt zum Lampasz-See näherten schaukelten einige Boote in den Wellen. An der Einfahrt zu diesem See liegt ein Biwakplatz, den wir erst wahrnahmen, als wir schon angelegt hatten. Die Wellen zeigten inzwischen Schaumkämme und es war uns nicht ganz geheuer mit dieser Ausrüstung weiter zu fahren. Nach kurzer Zeit legte sich der Wind und wir setzten die Fahrt fort. Der Lampasz-See begeisterte uns, ein schmaler langer See mit klarem Wasser, hohen bewaldeten Ufern beiderseits und die Ruhe, keine Motorboote, kein Straßenlärm nur ab und zu ein Anglersteg, einfach herrlich. Am Ende des Sees ein Campingplatz und an der Einfahrt zu dem folgenden Fließ ein Schild, das uns anzeigte, dass wir uns auf einer ausgezeichneten Wasserwanderstrecke befanden. Die folgende Verbindung zum Kujno-See erinnerte uns an den Küstrienchenbach in Mecklenburg, klar und schnell fließend. Schade, die Strecke zum Kujno-See hätte länger sein können. Ganz anders wieder der Abfluß vom Kujno-See. Bedächtig entlässt dieser See sein Wasser, Wasserpflanzen pendeln leicht in der Strömung, die Gasse, die der beiderseitige Schilfgürtel lässt, wird immer schmaler und ruhig gleitet das Boot dahin und schiebt sich durch See- und Teichrosen, Erlen säumen die Ufer.(Ausfahrt Kujno-See) Nach etwa einem Kilometer tauchte plötzlich eine Brücke auf und vor ihr eine gemähte Wiese mit einem Imbiss, wie wir ihn in der Art noch oft auf der weiteren Fahrt antrafen. Eine Gruppe mit ca. 20 Booten rastete dort und einige Boote mussten erst bei Seite gezogen werden damit wir passieren konnten. Auf dem folgenden Dlužec-See waren wir wieder allein auf weiter Wasserstrecke nur einige Haubentaucher gingen auf Tauchstation, als wir uns ihnen näherten. Auf dem Biale-See, den letzten See unserer Tagesetappe, frischte der Wind noch einmal auf und wir schummelten uns am westlichen Ufer entlang unserem Tagesziel, dem PTTK-Zeltplatz in Bieňki entgegen. Der Platz war gut besucht, es standen einige Zelte und die Finnhütten schienen alle belegt zu sein. Als noch die Gruppe, die wir an der Brücke überholt hatten eintraf, wurde es am Bootsteg eng. (Landesteg Zeltplatz Bienki) Wir hatten für die Strecke mit zwei Pausen etwa 5 Stunden gebraucht und noch genügend Zeit bis unser vereinbarter Bootstransport zur Pension in Krutyñ eintraf. Wir waren trotz des etwas rauen Wetters begeistert von der Fahrt. Wo findet man bei uns noch solche Wanderstrecken? Als das Boot auf dem Anhänger verstaut war ging es los mit einer abenteuerlichen Fahrt auf schmalem Waldweg immer hoffend, dass uns keiner entgegen kommt. Wir waren richtig froh, dass es nicht unser Faltboot war, das dort auf dem Bootsanhänger mit den Bodenwellen kämpfte. Von unserer Pension in Krutyñ waren wir angenehm überrascht, wir hatten mit einer weit bescheideneren Unterkunft gerechnet. Unser Zimmer unterm Dach mit Blick auf die Krutynia war einfach toll. Die Verpflegung , wir hatten Halbpension, war schmackhaft und reichlich. Ein Spaziergang durch das abendliche Krutyñ rundete den Tag ab.

Am folgendem Tag nach dem Frühstück in der Gaststätte der Pension wurden wir mit dem ausgeliehenen Kajak erneut nach Bieňki gefahren und setzten dort gegen 9:30 Uhr ein. Die Verbindung vom Biale-See zu dem folgenden Gant-See ist eine Wasserstraße auf der man kaum eine Strömung wahrnimmt. Der Gant-See ist ähnlich dem Lampasz-See wunderschön eingebettet in hohe mit Wald bestandene Ufer, nichts stört die Ruhe. Die Ausfahrt am Ende des Sees ist stark verschilft. Das folgende kleine Flüsschen trägt die Bezeichnung Gancka Struge und ist sehr idyllisch.(unterwegs) Nach etwa einem Kilometer vereinigt sich dieser Bach mit der von Westen kommenden Babiecka Struga und fließt nun als breiter Bach, umgeben von Schilf gesäumten Ufern durch ein größeres Waldgebiet in südlicher Richtung. In Babieta erreichen wir unsere erste Umtragestelle der Tour.(Babieta) Dort, wo eine Straße die Babiecka Struge quert, ist ein kleines Wasserkraftwerk und wir schleppten das Boot ca. 50 Meter über Land und setzten im Unterwasser erneut ein. Das Wasserkraftwerk war früher eine Mühle und diese ist als Rastpunkt ausgebaut, wo man einkehren kann. Das klare Wasser der Babiecka Struge trug uns dann an gepflegten Anwesen des Ortes Babieta vorbei. Auf dem folgenden in südlicher Richtung lang gezogenen Zyzdrój-See schien es, als wären wir allein unterwegs. Am Ostufer sahen wir zwei größere Hotelanlagen , doch still ruhte der See, kein Boot, kein Kahn auf dem Wasser. Dabei hatten wir an diesem Tag ausgezeichnetes Fahrtenwetter. Fast am Ende das lang gezogenen Sees in einer Bucht am Ostufer ist das Wasserkraftwerk "Na Cuplu".(zweite Umsatzstelle dieses Tages) Hier trafen wir fast gleichzeitig mit einer größeren Bootsgruppe ein, deren Boote wir an der Insel im oberen Teil des Sees gesehen hatten. Hier konnten wir für 3 Zloty einen Bootswagen ausleihen, der das Umsetzen erheblich erleichterte. Der Treff für unseren Rücktransport nach Krutyñ war an der Straßenbrücke von Spychowo für 16:00 Uhr vereinbart und wir wurden dort auch pünktlich abgeholt.

Der folgende Tage, Dienstag der 10. Juli, begrüßte uns mit Dauerregen. Erst als es gegen 13:00 Uhr in leichten Nieselregen überging, beschlossen wir zu starten. Unser Bootsverleiher brachte uns nach Zgon, denn für eine Tagesetappe von Spychowo bis Krutyñ, war es zu spät geworden. An dem Landesteg einer bei diesem Wetter vereinsamten Freiluftgaststätte an der Brücke zum Uplik-See zogen wir unsere Regenbekleidung an und hüllten uns so gut es ging in die Plasteplanen ein und bestiegen das Boot.(gerüstet für die Regenfahrt) Die Streckenbeschreibung verriet uns, dass wir mit dem Stück zwischen Spychowo und Zgon eine sehr schöne Passage ausließen, doch das war nicht zu ändern. Ein kurzer Abstecher in den Uplik-See zeigte wegen des tristen Wetters nicht viel und so wandten wir uns dem Mokre-See zu. Wir fuhren zunächst in östlicher Richtung parallel zu Zgon und steuerten danach die erste Insel an. Der Mokre-See war uns laut der Beschreibung als einer der schönsten Seen angekündigt. Es regnete aber immer noch leicht und von Nord fegte eine steife Brise über den fast 8 Kilometer langen See, baute Wellen mit leichten Schaumkronen auf und der Himmel war grau verhangen. Wir hielten uns dicht am östlichen Schilfgürtel des Sees, konnten trotzdem nicht verhindern, dass immer wieder Brecher über das Vordeck rollten und über den Süllrand schwappten. So hatten wir bald so viel Wasser im Boot, dass wir ans Ufer und das Wasser ausschöpfen mussten. Es war schon lange her, dass wir eine solche anstrengende Sturmfahrt auf einem See bewältigen mussten und so durchnässt wurden. Wir waren erleichtert, als wir den Abfluss des Sees erreichten und das Boot über eine Rampe ins Unterwasser ziehen konnten.(Jezero Mokre überwunden) Die Stille hier überraschte uns - nicht zu glauben, was nur kurze Entfernung weiter los war. Auf dem Krutynskie See trafen wir die ersten der Radwanderer, die in Krutyñ für einige Stunden das Rad mit einem Kajak getauscht hatten.(auf der Krutynia) Die Krutynia trug uns dann mit leichter Strömung bis zu dem Landesteg vor unserer Pension.(vor unserer Pension) Wir genossen dieses schöne Stück Natur und auch der leichte Regen konnte uns jetzt nicht mehr schrecken. Bei Sonnenschein wären uns sicher auf der Krutynia viele begegnet, die zahlreichen am Ufer vertäuten Kähne und am Festland gelagerten Kajaks verrieten, was hier bei anderem Wetter abgeht. Ähnlich wie im Spreewald kann man sich hier auf Kähnen, die mit Stangen gestackt werden auf der Krutynia befördern lassen und einen kleinen Eindruck von dieser Landschaft gewinnen.(Kahnfahrt auf Krutynia)

Am Mittwoch ,den 11. Juli ,ließen wir das Boot am Landesteg der Pension zu Wasser und vereinbarten gegen 14:00 Uhr in Nowy Most abgeholt zu werden. Wir waren kurz nach 9:00 Uhr ins Boot gestiegen und konnten so schon Krutyñ verlassen, bevor der allgemeine Trubel auf dem Wasser einsetzte.(Brücke und Kähne in Krutyn) Die Sonne versteckte sich noch hinter dichten Wolken, schade gerade hier hätten wir uns Sonnenschein gewünscht um die vielen Wasserpflanzen unterhalb des Wasserspiegels besser sehen zu können. Die Krutynia ist zunächst relativ flach, strömt leicht und mehrere kleine Inseln teilen den Wasserlauf. Eine Anzahl Enten war zu sehen, die hier wegen des starken Publikumsverkehrs nicht so scheu wie anderen Orts waren. An der Mühle nach Krutynskie Piecek standen junge Männer mit Bootswagen bereit, um Kajaks ins Unterwasser zu befördern (5 Zloty). Nach einer Passage mit schneller Strömung wird die Krutynia träge und fließt durch eine offene Landschaft. Vor dem Ort Wojnowo findet man am rechtem Ufer ein Schild, das einen schmalen verschilften Graben zum Dus-See anzeigt. Nach Ukta folgte ein Stück Dschungel artiger Wasserlauf mit Bäumen im Wasser. Die Krutynia wird danach immer breiter und fließt begrenzt mit einem breiten Schilfgürtel durch Sumpfwald. Käme nicht ab und zu eine Gruppe Boote, wäre es hier sehr einsam. Wie schon an den voran gegangenen Tagen wurden wir pünktlich abgeholt. An der Landestelle an der Brücke nach Nowa Most beenden viele eine Tagesetappe, gegenüber ist ein Biwackplatz. An der Landestelle ist ein Container für Abfall aufgestellt, ein Zeichen dafür, dass man sich bemüht das Abfallproblem in dieser herrlichen Landschaft in den Griff zu bekommen.(Ende der Tagesfahrt in Nowy Most) Das Wetter war im Laufe des Tages immer besser geworden und so beschlossen wir am Nachmittag noch einmal den Mokre-See zu besuchen.Schmetterling Ein Wanderweg von Krutyñ durch den Mazursi Park Krajobrazowy führte uns ans Ostufer des Sees. Was für ein wunderschöner Blick auf den See, als wir aus den Wald heraustraten. Wir waren fast an der Stelle, an der wir wegen Wasser im Boot an Land gehen mussten. Spiegelblank das Wasser, Vögel kreisten in der Luft und die bewaldeten Inseln leuchteten im Abendlicht.

Donnerstag, der 12. Juli war unser letzter Fahrtentag. Noch einmal erfassten wir mit allen Sinnen diese wunderschöne Landschaft.(Bild1)(Bild2)Die Strecke von Nowy Most bis Kamien war uns zu kurz für eine Tagesetappe und so vereinbarten wir an diesem Tag von einem anderen Ort abgeholt zu werden. Wir hatten uns noch nicht genau festgelegt, denn die Krutynia mündet in den Beldany-See und das Wetter war unbeständig. Der Flußcharakter ändert sich nach Nowy Most zunächst nicht, die Krutynia passiert dann noch 3 kleinere Seen und mündet nach dem Ort Iznota in den Jezioro Beldany. Was wir dort als erstes sahen, war eine Vielzahl von Segeln.(Bild3) Motorboote und Ausflugs-Motorschiffe zeigten uns, dass wir die Kette der großen Seen erreicht hatten. Kein Vergleich mit den schönen ruhigen Gewässern der Vortage, dafür all das was wir auch von den Berliner Gewässern kennen PS-Protze zu Wasser und Uferverbauungen. Als sich das Wetter zuzog und es zu regnen begann, beendeten wir unsere Fahrt auf einem Campingplatz in Wygryny und ließen uns von dort abholen. Eine schöne 5-tägige Kajakfahrt ging damit zu Ende. Wir hatten mit dem schweren Kajaks ca. 90 km zurückgelegt.

Statt einer Weiterfahrt auf den großen Seen enthielt unser gebuchtes Programm eine Schiffstour von Mikolajki nach Gizycko. (im Szymonski-Kanal) Viele Segel- und Motorboote kreuzten unsere Fahrt oder bewegten sich in gleicher Richtung auf den Kanalstrecken zwischen den Seen. (auf dem Niegocin-See) Unvergleichbar schöner war die Fahrt auf den klaren kleinen Flüssen und Seen. Aus Gizycko wurden wir mit dem Auto vom Hotel Koch abgeholt. Alle Termine wurden exakt eingehalten und ein schöner Urlaub ging damit für uns zu Ende. Wir hatten Informationen von Sportfreunden, die diese Wandertour 2 Jahre vor uns gefahren waren und sie beklagten sich über die Zeltplätze und deren mangelhafte Ausstattung. Der Zeltplatz in Bienki schien uns, soweit wir das von dem kurzen Aufenthalt einschätzen können, sauber und ordentlich ausgestattet. Der Biwakplatz am Mokre-See hatte allerdings nur einen Abfallcontainer und eine Trockentoilette, um die wir einen großen Bogen gingen, weitere Plätze haben wir nicht genauer unter die Lupe genommen. Die Kombination einer solchen Tour mit festem Quartier schien uns die beste Lösung, besonders wenn man fremd ist und nicht in einer Gruppe paddelt. Mit der zunehmenden Kommerzialisierung und Nutzung der Natur wird sich vieles ändern, leider nicht nur in die Richtung, die wir wünschen.(einer von mehreren Bootsverleihern in Krutyn) Wer unsere mecklenburgischen Seen in den sechziger Jahren befahren hat und in den letzten Jahren einmal dort war, wird wissen was ich meine. Ein Danke nochmals für die Betreuung vom Hotel Koch in Ketryzyn und der Pension Mazur Syrenka in Krutyñ


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