Himmelfahrtbootstour 2008 -
eine Fahrt mit besonderen Einlagen

Wir fahren nun schon regelmäßig seit 1991 zu Himmelfahrt und die Tage danach bis zum Sonntag eine Bootstour. Wir , das sind Wanderfahrer der Jenaer NaturFreunde, die mindestens einmal im Jahr ihre alten RZ85 zum Leben erwecken , das Zelt einpacken und zu dieser Zeit auf irgend einen Zahmwasserfluß unterwegs sind. So haben wir schon viele Jahre die unterschiedlichsten Flüsse befahren und schöne Naturerlebnisse gehabt. Dieses Jahr war nach 10 Jahren die Saale zu einer erneuten Befahrung angesagt. Ausgeschrieben war die Strecke von Kahla bis Weißenfels mit Jena, Döbritschen und Naumburg als Stationen. Abhängig vom Wetter war sowohl zelten oder parken der Boote an den Stationen vorgesehen. Mit 11 Teilnehmern und 6 Booten starteten wir gegen 11 Uhr in Kahla. Der Pegel Rotenstein zeigte am 30.4. eine Durchflussmenge von
36,8 m²/s an, was einen leicht über dem jährlichem Normal liegenden Wert entsprach. Sonnenschein, angenehme Temperatur und flotte Strömung ließen die Fahrt zu einem Erlebnis werden. Nur von fern drang der Verkehrslärm zu uns und wir lauschten dem Gesang der Vögel, der uns während er gesamten Fahrt begleitete. Schnell war das erste Hindernis, das Wehr in Schöps, erreicht und wir setzten über die Insel am Kraftwerkskanal um. Besondere Vorkommnisse gab es nicht, wenn wir mal davon absehen, dass beim Boote aussetzen mein Handy ins Wasser fiel und ein Gast unserer Fahrt an der Einstiegsstelle im Unterwasser etwas auszusetzen hatten und erst nach längerem Zuspruch davon überzeugt werden konnte wieder zuzusteigen. Nach einer Mittagsrast an der Helenenstein Hütte, an der Ilona schon fest damit beschäftigt gewesen war für uns Bratwürste zuzubereiten, ging es weiter nach Jena. Der Wasserstand erlaubte uns es noch am Burgauer Kraftwerk die Umsatzstelle an der linken Seite anzufahren und ersparte uns das Anlanden am verschlammten rechten Ufer. Unsere Boote genossen für eine Nacht Gastrecht im USV-Bootshaus.

Am nächsten Morgen brachten wir zuerst unsere Autos mit der Zeltausrüstung nach Döbritschen. Das sonnige Wetter des Vortages hatte doch alle zum zelten animiert. Wir setzten die Fahrt mit 5 Zweier-Faltbooten fort und benutzten als erstes die neue Umsatzstelle am Rasenmühlenwehr. Am folgendem Wehr an der Schnellstraße liegt die Aussatzstelle ganz kurz vor dem Wehr rechts und ist nur wenn kein oder wenig Wasser über die Wehrkrone läuft gefahrlos anzusteuern. Die Leiter zum Unterwasser erwies sich als weniger problematisch, als ich vorher vermutet hatte und mit vereinten Kräften wurden die Boote eingesetzt. In flotter Fahrt ging bis zum Wehr in Porstendorf. Hier ist im Rahmen der touristischen Erschließung der Saale eine neue Umsatzstelle an der Lache gebaut worden, mit der man das Hindernis am Anfang der Lache bewältigen kann. Das Wehr am Kraftwerk umgeht man, indem man am Steg rechts vor der Brücke anlandet, das Boot ca. 150 Meter über Land transportiert und an einer neu geschaffenen Treppe im Kraftwerkskanal zu Wasser lässt. Wir wählten allerdings den Flutgraben für unsere Weiterfahrt. Dieser ist landschaftlich schöner als die Fahrt auf der Lache und man setzt nur einmal um. Am linken Ufer vor dem Porstendorfer Wehr sahen wir die ersten Spuren von den vierbeinigen Holzfällern mit der breiten Kelle. Das Wetter war uns an diesen Tage nicht so ganz hold und wir paddelten das letzte Stück vor Döbritschen im Regen. Der kombinierte Fisch-Bootspass auf der rechten Seite des Döbritscher Wehres war leider gesperrt. Eine kräftige Walze am Wehrauslauf unmittelbar daneben war der Grund. Als wir am Zeltplatz an Land gingen, hörte der Regen auf und ein kurzer Spaziergang bis vor München-Gosserstädt rundete den Abend ab, bevor wir in unsere Schlafsäcke krochen. Außer unseren 3 Zelten standen noch 6 weitere Zelte, darunter auch ein größeres Zelt für ca 10 Personen auf dem Platz. Am Abend war es ruhig. Einige unserer Fahrtenteilnehmer beendeten die Fahrt hier, andere stießen am Morgen neu zu uns und vervollständigten unsere Gruppe.

Schon bei unserer Ankunft war uns ein mit Canadiern beladener Boothänger auf den Zeltplatz aufgefallen, von denen noch bis zum Abend Boote entnommen wurden und zu einer Fahrt starteten. Weil wir einen Teil unsere Autos recht früh zur nächsten Station den Kanuclub Naumburg umgesetzt hatten, starteten wir gegen ½ 10 Uhr. Bis zur neu ausgebauten Umsatzstelle am Camburger Wehr waren wir noch unter uns, doch dann wurde es turbulenter. In Camburg setzte eine Gruppe mit geliehenen Booten ein, an der wir zunächst vorbei fuhren, unterwegs überholten wir noch eine Vielzahl von jungen Leuten, die in Camburg gestartet waren. Die Saale zwischen Camburg und Naumburg zählt mit zu einer der schönsten Flusswanderstrecken, auf denen wir bisher unterwegs waren. Mit Sonnenschein und flotter Strömung fuhren wir unserem Tagesziel entgegen. Während unserer Mittagsrast in der Gaststätte Schloss Saaleck passierten fast ununterbrochen Paddler diese Stelle. Als wir dann nach Fortsetzung unserer Fahrt am Badkösener Wehr anlangten, trafen wir auf das größte Gewühl, das wir bis her an solchen Stellen erlebt hatten. Das Wehr ist nicht ungefährlich und in der Vergangenheit hat es hier schon tödliche Unfälle gegeben. Ich hatte deshalb unsere Gruppe instruiert einzeln und mit Abstand an die Umsatzstelle in den von der Saale abzweigenden Seitenarm, der den Graben nach Schulpforta und das Wasserrad für das Gestänge der Saline versorgt, einzufahren, um nicht gegen den Rechen im Wasser gedrängt zu werden. Das nutzten immer wieder rücksichtslose Bootsbesatzungen aus, drängten sich dazwischen, zeitweise waren bis zu 3 Boote an der engen Umsatzstelle und behinderten sich gegenseitig. Nur schnell fort von diesen Trubel, war unsere Devise. Dabei bemerkte eine unserer Zweierbesatzungen wohl nicht, dass sich beim Landtranport eine Steuerleine gelöst hatte. Dieses Boot kam dadurch in dem schnellen Wasser nach dem Wehr in große Schwierigkeiten, die beiden Insassen waren nicht in der Lage zu steuern und trieben nach der Brücke am linksseitigem Ufer unter eine überhängende Weide. Als sie sich an diese klammerten, kenterte das Boot. Rasche Hilfe zweier junger Kanuten, von denen hierzu einer der Beiden selbst in das kalte Wasser stieg, verhinderten größere Verluste und halfen unseren Beiden schnell die nassen kalten Sachen zu wechseln. An der folgenden geschütteten Staustufe, dem Altenburger Wehr, erlebten wir das gleiche Chaos wie in Bad Kösen. Erschwerend wirkte noch, dass ein Stück der Umsatzstrecke über den stark frequentierten Radweg führte. Beim Start im Unterwasser wurde diese Mannschaft, die bereits in Bad Kösen kenterte, von einen anderen Kanufahrer, der nicht abwarten konnte bis sie ruhiges Wasser und Abstand vom Wehr erreichten, behindert. Das löste beim Steuermann unseres Bootes offensichtlich eine Panik aus und er versuchte einfach auszusteigen. Das Boot schlug dabei so rasch um, dass seine vorn sitzende Partnerin überhaupt nicht mehr reagieren konnte und an dieser gefährlichen Stelle Kopf unter tauchte und völlig in den aufgewühltem Wasser verschwand. Es vergingen bange Sekunden bis sie endlich unverletzt auftauchte. Der materielle Schaden war hier größer, als bei der ersten Kenterung, das Spritzdeck des Klepper Aerius war in den Fluten verschwunden und tauchte auch nicht wieder auf.

Der Vorfall zeigte uns, welche Risiken selbst in solchen Flüssen, die als Zahmwasser bezeichnet werden auftreten können, wenn zu mangelnder Bootsbeherrschung noch Stress-Situationen kommen. Mit den Ausbau der Saale und der Erschließung des Wassertourismus, werden wir wohl noch öfter solche Situationen an den Wehren, wie oben geschildert, erleben und uns darauf einstellen müssen. Selbst ein Vorfahren der Tour und eine Belehrung über Gefahrenstellen kann die Risiken nicht ausschließen, wie sich zeigte. In bestimmten Situationen ist jede Bootsbesatzung auf sich selbst gestellt und Hilfe und Anleitung greift dann nicht. Zu bewundern ist diese Bootsbesatzung trotzdem, dass sie die Fahrt auch am folgenden Tag fortsetzte, sie werden aber noch viel lernen müssen, um künftig solche Erlebnisse zu vermeiden.

Beim Naumburger Kanuklub wurden wir sehr gastfreundlich aufgenommen und zelteten dort für eine Nacht, ein sehr schönes Gelände gut gelegen und gepflegt. Auf der Strecke von Naumburg bis Weißenfels überholten uns dann nur einzelne Boote als, wir vor der Olbitzer Schleuse eine Mittagsrast einlegten. Wir hatten uns für 13:00 Uhr angemeldet und wurden pünktlich geschleust. Wir beendeten die Fahrt am Bootshaus der Ruderer in Weißenfels und klappten unsere Faltboote auf den dortigen großen freien Parkplatz zusammen.

Kl.Schimpke

Bildanhang

Bild Text Quelle
Alle Bilder können mit einem Mausklick auf das Bild vergrößert angesehen werden.
Bildquellen:
GM Günter Müller;
RM Reinhard Müller
AP Anke Protze
VP Volker Protze
KS Klaus Schimpke
WT Walter Teuschel
1.5.
Kahla Kurze Belehrung am Start in Kahla AP
Start Die neue bequeme Treppe ermöglicht ein rasches Einsetzen der Boote und los geht es. AP
Bergrutsch bei Kahla" Schnell trägt uns die Saale am Bergsturz in Kahla vorbei. VP
nach Kahla Bestes Paddelwetter, was wollen wir mehr? KS
Schöps Erstes unfahrbares Hindernis nach Kahla - Wehr Schöps AP
Rast Wild romantisch unser Anlegeplatz am Saaleknie beim Helenenstein GM
Ilona Ilona erwartete uns bereits an der Helensteinhütte. WT
Schnelle Hannes sichert an der Schwallstrecke GM
Schwall Auch unser Dreier kam mühelos durch. VP
Brücke Gut angepasst - die neue Autobahnbrücke KS
Burgau Umsetzstelle am Burgauer Wehr AP
Jena Das Station ist schon in Sicht. GM
USV-Bootshaus Ankunft im Bootshaus USV. GM
2.5.
Ausblick Neue Einsetzstelle im Unterwasser des Rasenmühlenwehres. AP
Treppe Es gibt schönere Einstiegsstellen, als diese an der Schnellstraße. AP
Federball Man kann mit dem Paddel auch Federball spielen, sollte aber ein Ersatzpaddel dabei haben. AP
Flagge Unsere jüngsten Teilnehmer mit ihrer Flagge AP
Rast Rast am ersten Porstendorfer Wehr. KS
Döbritschen Unser Zeltplatz in Döbritschen, am nächsten Morgen. GM
3.5.
Bootsaufbau Vor der Fahrt muß immer erst der Bootaufbau bewältigt werden! GM
Döbritschen Das Döbritscher Wehr im gleissendem Gegenlicht - Einsetzstelle am Zeltplatz. RM
Camburg Vor dem Camburger Wehr- noch ahnen wir nicht, was uns heute alles bevorsteht RM
Ratte Wir waren mit unseren Booten nicht allein auf der Saale. GM
Vogel Auch die besten "Freunde" der Petrijünger beäugten uns aufmerksam. GM
Rudelsburg Die Rudelsburg grüßt hoch über dem Tal. GM
Rast Die breite Treppe zum Wasser lädt bei der Gaststätte Schloss Saaleck zur Mittagsrast ein GM
Bad Kösen Großes Gedränge an der Anlegestelle des Bad Kösener Wehres. GM
Umtragestelle An Land sah es nicht besser aus. KS
Wehr Altenburg Am Altenburger Wehr war es noch schlimmer, als in Bad Kösen. KS
Kanuclub Naumburg Nach einer ereignisreichen Fahrt sind wir beim Naumburger Kanuclub angekommen. RM
4.5.
Rast Zur nächsten Schleusung in Oeblitz haben wir noch Zeit und legen eine Rast ein. KS
Abbau Hier auf dem Parkplatz des Weißenfelser Rudervereines hauchen unsere Boote ihr Leben aus, werden eingepackt und ruhen zu Hause bis zur nächsten Fahrt. RM


Zurück zur Startseite